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Retrofit12. Oktober 20265 Min. Lesezeit

Von Andreas Bek · Geschäftsführer, EVO Electronic Solutions

Retrofit und EOL-Alternativen: Steuerungstechnik weiternutzen statt neu beschaffen

End-of-Life (EOL) bedeutet in der Automatisierung: Der Hersteller kündigt eine Baugruppe oder Steuerungsfamilie ab — es gibt keine Neuware mehr, Ersatz kommt nur noch aus Restbeständen, vom Gebrauchtmarkt oder aus Aufarbeitung. Die Preise steigen, Gewährleistung gibt es nicht, und das Wissen um die alte Technik verschwindet aus den Betrieben. Das bekannteste Beispiel ist die SIMATIC S5: seit Jahren abgekündigt, in vielen Anlagen aber noch produktiv im Einsatz.

Retrofit oder Neubeschaffung: Wann lohnt sich was?

Die Entscheidung hängt an drei Fragen. Erstens: Ist die Mechanik der Anlage noch einwandfrei? Dann ist ein Steuerungs-Retrofit meist deutlich wirtschaftlicher als eine Neuanlage — ein gut geplanter Retrofit amortisiert sich in der Regel innerhalb von 1–2 Jahren. Zweitens: Wie kritisch ist ein ungeplanter Stillstand? Je höher das Risiko, desto dringender der geplante Umstieg — bevor die letzte Ersatzbaugruppe ausfällt. Drittens: Wie steht es um die Dokumentation? Bei Altanlagen fehlen aktuelle Schaltpläne fast immer; ein Retrofit erzeugt die Dokumentation neu und macht die Anlage wieder wartbar.

Welche Alternativen gibt es zu abgekündigten Baugruppen?

Drei Wege, mit unterschiedlicher Reichweite: (1) Restbestände und Gebrauchtteile — verschaffen Zeit, lösen das Problem aber nicht: steigende Preise, keine Gewährleistung, und jede weitere Baugruppe kann die nächste Lücke reißen. (2) Migration der Steuerung auf die aktuelle Generation — etwa von SIMATIC S5 auf S7-1500 mit TIA Portal, während die Mechanik unverändert bleibt. (3) Kompletter Steuerungs-Retrofit mit neuem Schaltschrank nach IEC 61439 — sinnvoll, wenn neben der CPU auch Peripherie, Verdrahtung und Dokumentation am Ende sind.

Wichtig für die Praxis: Für viele EOL-Baugruppen gibt es keine 1:1-Austauschkarte. Ersetzt wird dann nicht das Bauteil, sondern die Funktion — sie wird aus dem Altprogramm und den Bestandsunterlagen rekonstruiert und auf aktueller Technik neu abgebildet.

Wie EVO dabei vorgeht

Wir nehmen den Ist-Zustand vor Ort auf, rekonstruieren die Anlagenfunktion aus dem Steuerungsprogramm und den Bestandsunterlagen und überführen beides in eine EPLAN-Konstruktion, die zur gebauten Anlage passt. Danach entstehen neue Peripherie und ein neuer Schaltschrank nach IEC 61439 — die Umstellung selbst erfolgt im geplanten Wartungsfenster, damit die Produktion kalkulierbar bleibt. Bei der Wahl der neuen Steuerungsplattform beraten wir herstellerunabhängig: Siemens TIA Portal, Beckhoff TwinCAT oder Schneider EcoStruxure — je nachdem, was zu Ihrer Anlage passt.

Häufige Fragen

Welche Steuerungen können nachgerüstet werden?

Typische Kandidaten sind abgekündigte SIMATIC-S5-Anlagen und ältere S7-Generationen (S7-300/400), die auf S7-1500 mit TIA Portal migriert werden. Grundsätzlich gilt: Was eine dokumentierbare Funktion hat, lässt sich auf aktuelle Steuerungstechnik überführen — auch auf andere Plattformen, wenn das besser zur Anlage passt.

Was passiert mit EOL-Komponenten, für die es keine Alternative gibt?

Dann wird die Funktion statt des Bauteils ersetzt: Wir rekonstruieren, was die Baugruppe in der Anlage tut, und bilden genau das auf aktueller Technik neu ab — inklusive neuer, zur Anlage passender Dokumentation.

Wie lange dauert ein Retrofit-Projekt?

Das hängt vom Anlagenumfang ab — entscheidend ist aber ein anderer Punkt: Die Vorbereitung (Aufnahme, Konstruktion, Schrankbau, Programmierung) läuft, während Ihre Anlage weiter produziert. Nur die Umstellung selbst braucht ein Wartungsfenster, das gemeinsam geplant wird. So bleibt der Stillstand kalkulierbar.

Sie betreiben eine Anlage mit abgekündigter Steuerungstechnik? Stellen Sie uns Ihre Anlage vor und fragen Sie einen Retrofit-Check an — wir sagen Ihnen ehrlich, welcher Weg sich rechnet.

Haben Sie Fragen zu diesem Thema?

Kontaktieren Sie uns — wir beraten Sie gerne zu Ihrem Projekt.